Am 18.Mai starb der Zürcher Psychoanalytiker Paul Parin von Helmut Höge
Er wurde 92 Jahre alt. Seine ethnopsychoanalytischen Bücher, die er zusammen mit seiner Frau Goldy und seinem Freund Fritz Morgenthaler schrieb, waren in der Studentenbewegung quasi Pflichtlektüre. In den letzten 15 Jahren veröffentlichte er vor allem Erzählungen. Antonia Herrscher und ich interviewten ihn im Sommer 2008 - über “Jugoslawien” und die dortige “Partisanenkrankheit”.
Zürich - Bis zuletzt war er ein unbequemer Geist geblieben - als er etwa die Drogenfreigabe für alte Menschen fordert. Der 1916 im heutigen Slowenien geborene Paul Parin studierte in Graz und Zagreb Medizin, wurde danach Psychoanalytiker in der Schweiz.
Sein Buch "Die Weißen denken zu viel" entsprach dem Zeitgeist der 68er-Bewegung und machte ihn zu einer Ikone der Linken. Aufgewachsen als Sohn eines jüdischen Großgrundbesitzers in Slowenien, war er gegen Ende des Zweiten Weltkrieges Arzt bei jugoslawischen Partisanen.
Der Psychoanalytiker Paul Parin starb 92-jährig
von Walter Titz
Mit dem Aufsatz "Weise Pharma-Greise" sorgte er vor rund einem Jahrzehnt für Aufregung. Alte Menschen, meinte Paul Parin sollten alle Drogen bekommen, die sie wollten. Und er verwies auf seinen Lehrer, Medizin-Nobelpreisträger Otto Loewi: "Morgens Speed, abends Morphium, daneben die übliche Droge Alkohol." Mit 90 sei Loewi "ein sehr jugendlicher, leistungsfähiger Greis" gewesen.