Home Nachruf Kleine Zeitung
 
Kleine Zeitung | Drucken |
Donnerstag, 21. Mai 2009 um 08:00

Die Lust am Querdenken

Der Psychoanalytiker Paul Parin starb 92-jährig
von Walter Titz

Mit dem Aufsatz "Weise Pharma-Greise" sorgte er vor rund einem Jahrzehnt für Aufregung. Alte Menschen, meinte Paul Parin sollten alle Drogen bekommen, die sie wollten. Und er verwies auf seinen Lehrer, Medizin-Nobelpreisträger Otto Loewi: "Morgens Speed, abends Morphium, daneben die übliche Droge Alkohol." Mit 90 sei Loewi "ein sehr jugendlicher, leistungsfähiger Greis" gewesen.

Ein unangepasster Denker war Parin stets. Der Autor und Pionier der Ethnopsychoanalyse wurde 1916 in Polzela bei Cilli (heute Slowenien) geboren, studierte in Graz, Zagreb und Zürich Medizin. Mit seiner Frau Goldy Parin-Matthèy (sie starb 1997 nach 58-jähriger Ehe) schloss sich der junge Arzt den Tito-Partisanen an. Später setzte er sich äußerst kritisch mit der "Ethnisierung der Politik" in Ex-Jugoslawien auseinander.

Gemeinsam unternahm das Paar zahlreiche Forschungsreisen, vor allem nach Westafrika.

Eines der diesbezüglich wichtigsten Bücher: "Fürchte deinen Nächsten wie dich selbst". Zuletzt erschien 2003 der Erzählband "Die Leidenschaft des Jägers", wiederum höchst unorthodoxe Texte über die menschliche Lust am Töten. Parin wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Erich-Fried-Preis und dem Sigmund-Freud-Preis.

Comments

Please login to post comments or replies.
 



Wir haben 1 Gast online