Home Nachruf Neue Zürcher Zeitung
 
Neue Zürcher Zeitung | Drucken |
Montag, 18. Mai 2009 um 11:47

Paul Parin ist tot

Tod des Psychoanalytikers und Schriftstellers in Zürich

(sda) Der Zürcher Psychoanalytiker und Schriftsteller Paul Parin ist in der Nacht auf Montag in Zürich im Alter von 92 Jahren gestorben. Er gilt als Mitbegründer der Ethno-Psychoanalyse und engagierte sich wiederholt für linke Anliegen. Parin sei in der Nacht auf Montag um 1 Uhr 30 zu Hause in Zürich gestorben, bestätigte sein Freund Berthold Rothschild, selber Psychoanalytiker, einen Bericht von Radio DRS.

Parin wurde am 20. September 1916 als Sohn eines jüdischen Gutsbesitzers in Slowenien geboren. Sein Vater war Schweizer - 1866 war er im Tessiner Dörfchen Linescio eingebürgert worden. Im November 1938 kam Parin nach Zürich, um hier sein Medizinstudium zu vervollständigen, das er in Graz und Zagreb begonnen hatte.

Sich den Partisanen angeschlossen

Später gab Parin seine Zürcher Wohnung auf, um sich den Partisanen in Jugoslawien anzuschliessen. 1944/45 nahmen Parin und seine spätere Frau Goldy Matthèy an der ersten chirurgischen Mission der Centrale Sanitaire Suisse bei der Jugoslawischen Befreiungsarmee teil. Nach dem Krieg bildete sich Parin in Zürich zum Neurologen und Psychoanalytiker aus. 1950 gründete er zusammen mit Fritz Morgenthaler das Psychoanalytische Seminar. Seine psychoanalytische Praxis führte er von 1952 bis 1990. Wiederholt bereiste Parin zusammen mit Matthèy und Morgenthaler Westafrika, um Studien auf ethno-psychoanalytischem Gebiet zu machen. Seine Erkenntnisse und Erfahrungen veröffentlichte das Trio in vielen Büchern.

Zahlreiche Auszeichnungen

Ab 1990 widmete sich Parin vorab der Schriftstellerei. Unter anderem verarbeitete er sein Leben bei den Partisanen («Es ist Krieg und wir gehen hin», 1991) oder hielt seine Erfahrungen in Afrika fest (»Zu viele Teufel im Land», 1993). Zudem schrieb er Erzählungen und Essays zu Kultur und Politik. Wiederholt wurde er für sein Werk ausgezeichnet. 1986 erhielt er den Literaturpreis des Kantons und 1991 jenen der Stadt Zürich, 1992 folgte der Preis der Internationalen Erich-Fried-Gesellschaft für Sprache und Literatur in Wien, 1999 der Sigmund-Freud-Preis und 2001 eine Ehrengabe des Kantons Zürich. Die slowenische Akademie für Wissenschaft und Kunst ernannte ihn 2005 zum Ehrenmitglied.

Nachruf folgt im Feuilleton am Mittwoch

Diesen Artikel finden Sie auf NZZGlobal unter: http://www.nzz.ch/global/

NZZ Online: http://www.nzz.ch
Copyright (c) Neue Zürcher Zeitung AG

Comments

Please login to post comments or replies.
 



Wir haben 1 Gast online